Viagra - mit PDE-5 Blockern zum Erfolg

Mehr oder weniger durch Zufall erkannte man die Wirkung des vermeintlichen Herzmedikamentes auf der Basis von Sildenafil. Eine der wenigen Nebenwirkungen wurde zu einem Kassenhit im Bereich der Arzneimittel. In diesem Jahr wird die Blaue Pille 15 Jahre alt.

Wir bringen gute Dinge zum Leben

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit an einer Erektionsstörung zu leiden. Ist in einem Alter zwischen 40 und 50 Jahren nur etwa jeder Zehnte betroffen, so ist es ab einem Alter von 60 Jahren schon jeder Dritte, der an einer erektilen Dysfunktion leidet. Dies zeigt eine Studie der Universität Köln. Doch können die Ursachen sehr verschieden sein. Wird die Krankheit bereits in jungen Jahren diagnostiziert, sind zumeist psychische Gründe zu nennen. Doch auch Diabetes, Erkrankungen im Beckenbereich, die Einnahme von Medikamenten oder ein erhöhter Alkoholkonsum sind bekannte Ursachen.


Bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts konnte den Betroffenen nicht geholfen werden, da die meisten Ärzte davon überzeugt waren, dass nur Erkrankungen der Psyche als Antwort in Frage kämen. Hierbei wurde eine falsche Partnerin ebenso häufig in Betracht gezogen wie Stress, Depressionen und andere Krankheiten. Helfen könnte da angeblich nur eine psychologische Behandlung. Doch wurde der Welt auf einer Konferenz für Urologen in den USA 1983 gezeigt, dass ein erregtes Glied durchaus etwas sehr körperliches ist und nicht ausschließlich mit dem Wohlbefinden oder einem Gefühl der Erregung verbunden ist. Bevor Dr. Giles Brindley auf die Bühne trat injizierte er in seinen Penis den Wirkstoff Phentalomin. Auf die Bühne getreten ließ er die Hose herunter und gab den Blick frei auf sein erigiertes Glied. So überraschend und schockierend diese Handlung damals gewesen sein mag: sie zeigte nicht nur, dass die Krankheit ausgeschwiegen werden muss, sondern auch, dass es wahrscheinlich doch Wege in der Medizin gibt die Betroffenen von ihrem Leid zu erlösen.


Das Mittel Viagra feiert in dem Jahr 2013 sein 15jähriges Jubiläum und ist heutzutage ebenso beliebt wie zur Markteinführung. Dieser ist unvergleichlich und einzigartig in der Geschichte der modernen Medikamente. Allein aufgrund der Tatsache, dass in den USA in den ersten vier Wochen nach der Markteinführung mehr als 30 000 Rezepte für Viagra ausgestellt wurden, macht deutlich wie groß das Bedürfnis nach einer Lösung für das weit verbreitete Problem der Erektionsstörung war.


Inzwischen weiß ein jeder, was Viagra ist und welche körperlichen Reaktionen aus der Einnahme erwachsen. Doch wie das Medikament tatsächlich wirkt, wissen die wenigsten. Um eine Erektion zu erhalten müssen Muskeln, die im angespannten Zustand verhindern, dass Blut in den Schellkörper des Penis fließen kann, erschlaffen. Über einen sexuellen Impuls wird ein Stoff cGMP (cyklisches Guanosinmonophosphat) ausgeschüttet. Die Muskeln verlieren an Anspannung, Blut fließt ungehindert in den Schwellkörper und richtet das Glied auf. Da aber niemand eine dauerhafte Erektion haben möchte, muss ein Enzym den ausgeschütteten Stoff bremsen. Diese Aufgabe übernimmt das Enzym Phosphodiesterase (PDE-5). Es kümmert sich um den raschen Abbau von cGMP und lässt den Penis erschlaffen, weil sich die Muskeln um den Schwellkörper herum wieder anspannen.


Der Ansatzpunkt der Viagra ist die Verhinderung des zu raschen Abbaus durch PDE-5. Die synthetisch hergestellte Substanz Sildenafil blockiert das Enzym über eine gewisse Zeit, sodass eine länger andauernde Erektion möglich ist.


Die Geschichte des Medikaments begann bereits 1985 als Forscher in einem britischen Ort namens Sandwich versuchten ein Mittel zu finden, was möglichst ohne Nebenwirkungen Angina Pectoris (ein Brustengegefühl) und damit Herz-Durchblutungsstörungen heilen kann. Die Idee war ein blutverdünnendes Mittel zu finden, was das zielgerichtet das Enzym PDE-5 blockieren konnte. Leider stellte sich heraus, dass die getestete Substanze als Medikament für Herzkrankheiten etwas ungeeignet war, da zum einen die Halbwertzeit von nur 4 Stunden für ein Herzmedikament zu kurz war und zum anderen die Durchblutung nicht wie in dem erhofften Maße zugenommen hat. Im Verlauf einer Studie stellte sich allerdings heraus, dass das Sildenafil durchaus das Enzym PDE-5 blockiert - nur nicht in den getesteten Rahmen. Männliche Teilnehmer der Studie berichteten über eine teilweise anhaltende Erektion bei einem kleinen sexuellen Impuls. Die Arbeit an dem Herzmedikament wurde vergleichsweise schnell eingestellt. Doch wurde die Nebenwirkung weiter erforscht und verbessert, bis Pfizer 1998 das Medikament Viagra auf den Markt brachte. Es war die Lösung für viele unglückliche Männer.


Die geringen Nebenwirkungen ließen das Medikament über einen sehr kurzen Zeitraum hinweg sehr beliebt werden. Nach nunmehr 15 Jahren, in welchen der Pharmakonzern das alleinige Recht hatte die Wunderpille in dieser Form zu verkaufen, läuft das Patent aus und macht den Weg frei für neue Produkte auf dieser Basis. Für den Endverbraucher ist dies meist von Vorteil, da die neuen Produkte aufgrund der fehlenden Vorarbeit und des Preiskampfes zumeist preiswerter sein sollen.